Tafel 3 | Weimarer Republik: Anfang vom Ende "Der Kaiser ging, die Generäle blieben"

Kriegsende und Revolution in Deutschland

Der  1. Weltkrieg 1918 wurde von der Entente gewonnen. Beendet wurde er durch die erste Revolution auf deutschem Boden 1918/1919. Seit Oktober 1918 wurden Noten zum Waffenstillstand und den  Friedensbedingungen ausgetauscht.  Gegen den Befehl eine „letzte Entscheidungsschlacht“ gegen die Royal Navy im Ärmelkanal zu führen, meuterten ab dem 24. Oktober 1918 die Kieler Matrosen der Reichsflotte. Am Abend des 4. November wehten auf den Schiffen rote Fahnen. In Kiel regierte der erste Arbeiter- und Soldatenrat der Revolution. 

Binnen weniger Wochen war die Monarchie zerschlagen. Am 9. November 1918 riefen Phillip Scheidemann (SPD) vom Reichstag aus und Karl Liebknecht (USPD) vor dem Stadtschloss in Berlin die erste Republik in Deutschland aus. Der Kaiser hatte am Tage abgedankt und floh ins Exil. Der letzte Reichskanzler der konstitutionellen Monarchie unter Kaiser Wilhelm II, Max von Baden, übertrug das Amt auf Friedrich Ebert (SPD). In Berlin demonstrierten Tausende vor dem Stadtschloss, der Residenz des Kaisers in Berlin, dem Sitz der Reichsregierung in der Wilhelmstraße und dem Reichstag.

Im Laufe der nächsten Monate regierten SPD und die USPD zunächst gemeinsam. Die Koalition brach Ende Dezember 1918 auseinander. Am 1. Januar 1919 gründeten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Am 15. Januar wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von rechtsgerichteten Freikorpstruppen unter der Beteiligung von Hauptman Waldemar Pabst (Marine Brigade Ehrhard) in der Folge des „Spartakusaufstandes“ ermordet.

 

 

Die Weimarer Republik

Am 19. Januar 1919 fanden Wahlen zur Nationalversammlung in Weimar statt, die die Verfassung der „Weimarer Republik“ ausarbeitete. Die Verfassung der Weimarer Republik trat am 11. August 1919 in Kraft.

Die Weimarer Republik war eine Präsidial-Demokratie, in der der Reichspräsident mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet war. Der Reichspräsident ernannte und  entließ Reichskanzler und Minister (Artikel 52 WRV), er konnte den Reichstag auflösen (Art. 25 WRV) und war Oberbefehlshaber aller Streitkräfte. Artikel 48 WRV, ermöglichte es ihm „im Ausnahmezustand“  mit „Notverordnungen“ zu regieren. Artikel 48 WRV setzte an der polizeirechtlichen Generalklausel des Kaiserreichs an, die bei „erheblichen Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ angewandt wurde.


Artikel 48 Weimarer Reichsverfassung

(1)    Wenn ein Land die ihm nach der Reichsverfassung oder den Reichsgesetzen obliegenden Pflichten nicht erfüllt, kann der Reichspräsident es dazu mit Hilfe der bewaffneten Macht anhalten.

(2)    Der Reichspräsident kann, wenn im Deutschen Reich die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gestört oder gefährdet wird, die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nötigen Maßnahmen treffen, erfoderlichenfalls mit Hilfe der bewaffneten Macht einschreiten. Zu diesem Zwecke darf er vorübergehend die in den Artikeln 114, 115, 117, 118, 123, und 153 festgesetzten Grundrechte ganz oder zum Teil außer Kraft setzen.

(3)    Vor allen gemäß Abs. 1 oder Abs.2 dieses Artikels getroffenen Maßnahmen hat der Reichspräsident unverzüglich dem Reichstag Kenntnis zu geben. Die Maßnahmen sind auf Verlangen des Reichstages außer Kraft zu setzen.

(4)    Bei Gefahr im Verzuge kann die Landeregierung für ihr Gebiet einstweilige Maßnahmen der in Abs. 2 bezeichneten Art treffen. Die Maßnahmen sind auf Verlangen des Reichspräsidenten außer Kraft zu setzen.

(5)    Das Nähere bestimmt ein Reichsgesetz.

Im Fall, dass Notverordnungen nach Artikel 48, Absatz 3 durch das Parlament außer Kraft gesetzt werden,  kann der Reichspräsident nach Artikel 25 WRV das Parlament aufheben und Neuwahlen ansetzen.

Quelle: wikipedia.org

Reichspräsidenten der Weimarer Republik

Der erste Reichspräsident der Weimarer Republik war Friedrich Ebert (SPD) „mit verfassungsbrechender Zweidrittelmehrheit“ bis zu seinem Tod 1925. Zum zweiten Reichspräsidenten wurde Paul von Hindenburg 1925 und 1932 durch Reichspräsidentenwahl gewählt. Hindenburg war Generalfeldmarschall und Chef der Obersten Heeresleitung von 1914 bis 1918.

März 1920 Kapp-Putsch

Die Marine-Brigade Ehrhard  (rechts-nationale militärische Freikorps-Einheit)  besetze unter Führung von General Freiherr von Lüttwitz mit Unterstützung von Erich Ludendorff das Berliner Regierungsviertel.  Sie ernannten Wolfgang Kapp(Deutsche Vaterlandspartei (DVLP), später Nationale Vereinigung)  zum Reichskanzler. Motiviert wurde der Putschversuch durch die veränderte politische Lage in Bayern, wo Ritter von Kahr eine Konterrevolution durchsetzte.  Der Kapp-Putsch scheiterte nach fünf Tagen - nicht zuletzt am größten Generalsstreik in Deutschland.  

1918 bis 1920 Revolution in Bayern

In Bayern hatte Kurt Eisner (USPD) am 7. November 1918 den „Freistaat Bayern“ proklamiert. Unter seinem Vorsitz bildete sich ein Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat im Landtag. Eisner wird im provisorischen Nationalrat Außenminister und Ministerpräsident. Im Januar 1919 verliert die USPD die Wahlen zum Landtag. Kurt Eisner wird im Februar 1919 von Reserveleutnant Anton Graf von Arco auf Valley erschossen. Nach seinem Tod wurde die Münchner Räterepublik ausgerufen. Zunächst durch die USPD,  nach ersten Kämpfen gegen die von der SPD eingesetzte nationale Reichswehr,  von der KPD, dann wieder von der USPD  geleitet. Letztlich wurde die Münchner Räterepublik durch rechtsgerichtete militärische Einheiten (Freikorps unter Franz Ritter von Epp)blutig  niedergeschlagen.

1920 bis 1923 Restauration Bayerns

Gustav Ritter von Kahr wurde im März 1920 bayerischer Ministerpräsident. Ritter von Kahr entwickelte Bayern als „Ordnungszelle“ gegen das „marxistisch-jüdische Chaos“ der Weimarer Republik in offener Konfrontation gegen Berlin und die Reichsregierung. Bayern wurde ein Hort für rechtsgerichtete, „vaterländische“ und völkische Gruppierungen und Aufmarschgebiet von Rechtsextremen. Darunter auch die NSDAP, die 1922 in Preußen verboten worden war.  Die aus der Marine Brigade Ehard hervorgegangene Organisation Consul (OC) fand mit ihren steckbrieflich gesuchten Mördern Walter Rathenaus  in Bayern sichere Zuflucht. Zusammen mit Otto von Lossow strebte Ritter von Kahr eine von Bayern ausgehende nationale Erhebung  gegen die Weimarer Republik und eine „nationale Diktatur" an. Die politische Stimmung in Bayern bot der NSDAP unter Hitler geradezu „ideale Bedingungen zur ungestörten Entfaltung und zur Etablierung als eine der führenden Kräfte im rechtsextremen Lager“. 

(Quelle: LeMO,  Arnulf Scriba, Deutsches Historisches Museum, 17. September 2014, aufgerufen am 14. Oktober 2016)

1923 Hitler-Putsch

Adolf Hitler, Vorsitzender der NSDAP war in München zum politischen Führer des „Deutschen Kampfbundes“ gewählt wurden, dem die Sturmabteilung (SA) und bewaffnete bayerische Einwohnerwehren angehörten.  Seit 1920 arbeitete Adolf Hitler mit Erich Ludendorff zusammen, der ein enger Vertrauter Hindenburgs in der Obersten Heeresleitung (OHL) gewesen war.

 „Als Hitler erkannte, dass er mit seiner SA vom „Marsch auf Berlin“ anderer republikfeindlicher Kräfte um Gustav Ritter von Kahr und Otto von Lossow ausgeschlossen und ins politische Abseits gestellt werden sollte, versuchte er am Abend des 8. November 1923 das Signal zum Kampf gegen die `jüdisch-marxistische Brut´ in Berlin zu geben. Er rief die `Nationale Revolution aus´ und erklärte die bayerische Regierung für abgesetzt“.  Erich Ludendorff sollte als Feldherr den geplanten „Marsch auf Berlin“ leiten.

Ein am folgenden Morgen, am 9. November 1923, von Hitler und Ludendorff angeführter, bewaffneter Marsch von mehreren Tausend Teilnehmenden endet  vor der Feldherrenhalle in München im Feuer der Polizeikräfte der bayerischen Landesregierung.

Quelle: LeMO,  Arnulf Scriba, Deutsches Historisches Museum,  gefunden 14. Oktober 2016